Kurzfassung:
Lernen Sie die Grundlagen für den Sitz auf dem Pferd
Merkmale:
- Keine Vorkenntnisse notwendig
- Leicht verständlich
- HD Qualität
- Abspiellänge ca.: 45 - 60 Minuten
Ein ausbalancierter und funktionaler Reitersitz ist die Grundlage jeder feinen Hilfengebung.
Ohne ihn bleiben selbst korrekt gelernte Hilfen wirkungslos oder werden vom Pferd als störend wahrgenommen. In der Praxis – selbst im Spitzensport – treten jedoch immer wieder typische Fehlhaltungen auf: der sogenannte Stuhlsitz, ein geöffnetes Knie, fest klemmende Haken oder Sporen, die dauerhaft am Pferdebauch liegen. Diese Muster beeinträchtigen nicht nur die Biomechanik des Reiters, sondern führen zu einer erhöhten Belastung für das Pferd und verhindern die für gesundes Reiten essentielle Leichtigkeit.
Die Trainerin und Physiotherapeutin Ariane Telgen betont daher einen fundamentalen Leitsatz: „Hacken weg vom Pferd.“ Dieser wirkt auf den ersten Blick simpel, hat jedoch weitreichende biomechanische Bedeutung. Die Position von Fuß, Knöchel und Unterschenkel beeinflusst die gesamte Körperorganisation des Reiters – von der Beckenposition über die Wirbelsäulenaufrichtung bis hin zur feinen Schenkeleinwirkung. Ein funktionaler Sitz beginnt somit bereits im Steigbügel.
Missverständnis: „Fersen tief!“
Der traditionelle Reitspruch „Fersen tief!“ wird häufig falsch interpretiert. Viele Reiter versuchen, die Ferse bewusst und mit Kraft nach unten zu drücken. Dies führt jedoch zu muskulären Blockaden, einem fixierten Sprunggelenk und einem hochgezogenen Oberschenkel. Die Folge ist ein instabiler, verspannter Sitz, der durch unbewusste Dauereinwirkung am Pferd zusätzlich negative Reize setzt.
Tatsächlich hat die Tiefenverlagerung des Absatzes ihren Ursprung nicht im Fuß, sondern in der Losgelassenheit der oberen Bewegungskette:
- Ein entspanntes Hüftgelenk,
- ein lang fallender Oberschenkel,
- ein elastisches Sprunggelenk als Stoßdämpfer,
- und eine mittige, zentrierte Beckenposition.
Wenn diese Bereiche korrekt arbeiten, sinkt die Ferse automatisch. Die Tiefstellung des Absatzes ist somit ein Ergebnis eines funktionalen Sitzes – nicht dessen Ursache.
Der Einfluss der Fußhaltung auf Gleichgewicht, Hilfengebung und Pferdewohl
Die Fußhaltung steuert die Position des gesamten Beines und damit die Qualität der Schenkeleinwirkung. Ein nach innen gedrehter Fuß oder ein zum Pferdebauch gerichteter Absatz führt zu:
- unerwünschter Dauereinwirkung,
- eingeschränkter Atmung des Reiters,
- Verlust der Beckendynamik im Bewegungsrhythmus,
- und einem Pferd, das sich dem Druck entziehen möchte oder taktunrein wird.
Eine leichte Ausdrehung der Fußspitze – die 11-Uhr-/1-Uhr-Stellung – ermöglicht hingegen:
- eine weiche, am Pferdekörper anliegende Schenkelposition,
- ein entlastetes Knie, das sanft Kontakt hält,
- optimale Balance ohne Klemmen,
- und eine ruhige, dosierte Hilfengebung.
Entscheidend ist, dass die Ausdrehung aus der Hüfte erfolgt und nicht über den Fuß erzwungen wird. Nur so bleibt die gesamte Beinmuskulatur funktionsfähig und elastisch.
Der Sattel als biomechanischer Faktor
Kein Sitz – so korrekt er theoretisch auch sein mag – kann sich entwickeln, wenn der Sattel nicht zum Reiter und Pferd passt.
Ein unpassender Sattel kann:
- das Becken des Reiters nach hinten kippen,
- die Oberschenkelrotation blockieren,
- die Beinlage künstlich verkürzen oder verlängern,
- Druckspitzen auf dem Pferderücken erzeugen,
- und damit korrekte Bewegungen von Pferd und Reiter gleichermaßen verhindern.
Ein geeigneter Sattel ermöglicht dagegen eine neutrale, aufrechte Beckenposition, freie Hüftgelenke und eine natürliche Gewichtsverteilung – die Grundvoraussetzungen für einen funktionalen Sitz und feine Hilfengebung.
Dieses Lernvideo zeigt detailliert, wie die korrekte Fuß- und Beinposition den gesamten Reitersitz beeinflusst und warum „Hacken weg vom Pferd“ weit mehr ist als ein einfacher Hinweis. Mit biomechanischem Verständnis, gezielten Übungen und anschaulichen Beispielen unterstützt das Video Reiter:innen dabei, einen losgelassenen, ausbalancierten und pferdefreundlichen Sitz zu entwickeln, der Leichtigkeit und feine Kommunikation ermöglicht.